Ergebnisse des Arbeitskreises II am 06.12.2013

Ineke Spapé im bundesweiten Arbeitskreis Radschnellwege

Ineke Spapé im bundesweiten Arbeitskreis Radschnellwege

Kommunikation und Kommunikationskonzepte waren das Thema dieses zweiten Treffens. Fast 35 Teilnehmende kamen nach Essen und arbeiten intensiv beim 2. bundesweiten Arbeitskreis Radschnellwege mit. Orkan Xaver hinderte weitere am Kommen.

Die vollständige Dokumentation einschließlich der PPT-Charts kann hier am Stück (zip-Datei 91 MB) heruntergeladen werden. Darin sind sämtliche unten verlinkte Dateien enthalten.

Die ausführlichere Ergebnisdarstellung (2,8 MB) finden sie hier. Hier folgt eine Zusammenfassung:

Martin Tönnes berichte, dass die Planenden einen Zwischenbericht zur Machbarkeitsstudie zum Radschnellweg Ruhr – RS1 – auf den Weg in die Räte der beteiligten Ruhrgebietsstädte gebracht haben und betonte, wie wichtig Kommunikation im Rahmen der Planung sei. Jens Stachowitz führte inhaltlich in die Fragestellungen des Treffens ein. Planende brauchen den Kontakt zu Menschen, für die sie arbeiten, und zu den Entscheider(innen), um sie von der Qualität ihrer Überlegungen zu überzeugen und Mittel für die Umsetzung ihrer Projekte zu erhalten.

In diesem zweiten Treffen des bundesweiten Arbeitskreises haben wir uns mit diesen Fragen beschäftigt:

  • Wie müssen »Innovatoren« kommunizieren, damit ihre Ideen (Radschnellwege) den Weg in die tatsächlich erfolgreiche Anwendung finden?
  • Wie können die Innovatoren die »Early Adopter« in Politik und Wirtschaft überzeugen, ihre Rolle als Meinungsführer zu nutzen und sich für die Radschnellwege auszusprechen?
  • Wie gelingt es diesen, Mehrheiten zu überzeugen, Steuermittel zu investieren, damit die Radschnellwege gebaut werden können?
  • Wie müssen diese »Vorreiter«, die neue, wegweisende Entwicklungen von grundsätzlicherer und längerfristiger Wirkung anstoßen wollen, ihre vorwärtstreibende Rolle gestalten?

Ineke Spapé hob als wichtigsten Unterschied zwischen den Niederlanden und Deutschland hervor, dass die Vision vom Radverkehr als wichtigem Träger der Nahmobilität und eine intensivere Radkultur in den Niederlanden eine größere Lobby und einen stärkeren politischen Willen zur Förderung desselben produzierten. Auch sah sie einen Hang der Niederländer zu mehr Pragmatismus. Die Radschnellwegprojekte in den Niederlanden seien schlicht »Autoprojekte«. Sie werden mit Stauvermeidung begründet und müssten sich bei Kosten-Nutzen-Rechnungen genau damit durchsetzen.
Charts Spape (3 MB)

»Am Ende hat der Erfolg viele Mütter und Väter.« – leitet Bürgermeister Dr. Jan Heinisch seinen Vortrag ein. Am Anfang jedoch mühten sich Einzelne, die notwendige Unterstützung einzuwerben. Wie dies bei dem Projekt PanoramaRadweg niederbergbahn gelungen ist, schildertet er anschaulich. Deutlich wurde, dass viel Überzeugung und auch viel Zeit notwendig ist, andere mitzunehmen.
Charts Dr. Heinisch (11 MB)

Friedhelm Terfrüchte ging es um die Frage, wie Begeisterung für ein Projekt gewonnen werden kann. Der normale Planungsalltag beinhalte bereits gemeinsames Sitzen über Plänen, Workshops und Foren. Das sei gut, aber noch zu wenig. Sein Büro setze auf Animation und Anstiftung. Er zeigte anhand verschiedener Beispiele auf, wie Menschen erwärmt werden können.
Charts Terfrüchte (22,5 MB)

Dass die Potenziale des Radverkehrs in Deutschland wesentlich besser erkannt werden, ist Miachel Adler ein großes Anliegen. »Your Neighbors Are Doing Better« sei einer amerikanischen Studie zufolge der größte Treiber für Verhaltensänderungen. Auf diesen motivierenden Effekt durch die Beispiele aus anderen Ländern und Städten setze er auch. Vernünftige Argumentation, die auch Michael Adler in seinem Referat vortrug, ist wesentlich weniger motivierend als der Herdentrieb, der Wunsch dazu zu gehören, der Wunsch nach Anerkennung.
Charts Adler (10 MB)

Die Stadt Wien, berichte Jens Stachowitz von einem Telefon-Interview mit Thomas Berger, Stadt Wien, denkt intern über insgesamt 11 Radwegekorridore in ihr Umland nach. Drei Verbindungen werden prioritär bearbeitet, eine nach Norden, eine nach Süden und eine nach Westen.

Radfahrer leben 240 Tage länger als Nicht-Radfahrer und sind pro Jahr ein Tag weniger krank als Nicht-Radfahrer. Ein solche Argumentation, so Ineke Spapé, überzeuge Unternehmen. Zudem seien die Radwege bei Weitem preiswerter als Maßnahmen im Autoverkehr. Gerade in Krisenzeiten folgten niederländische Städte dieser Einsicht. Ineke Spapé betonte, dass nicht nur die Infrastruktur angeboten werden sollte, sondern auch eine intensive Kommunikation stattfinden muss, damit die Menschen, für die das Angebot konzipiert wurde, von den Radschnellstrecken wissen, diese ausprobieren und dann regelmäßig nutzen.
Charts Spapé Teil 2 (3 MB)

In Göttingen sind die ersten zwei Kilometer des E-Radschnellwegs am 26.11.2013 eröffnet worden. Das berichtete Jens Stachowitz.

Gordon Schmid stellte die Marketingkonzeption für den RS1 in einem Werkstattbericht vor. »Der RS1 bringt dich schnell an dein Ziel.« kommuniziert das Hauptmerkmal des Radschnellweges, jedoch wird die Botschaft »Entspannt ankommen« ebenso kommuniziert, da der Weg nicht für »Raser« konzipiert wird. Gordon Schmid zeigte das Logo, Entwürfe für eine Plakatkampagne und ein mögliches Lay-Out der Internetseite.
Charts Schmid (8,5 MB)

»Für wen planen und gestalten wir den RS1?« fragte Stefanie Bremer konnte wegen des Orkans in Norddeutschland nicht anreisen. Das Referat übernahm Jens Stachowitz. Stefanie Bremers Vorschlag für Hauptzielgruppen sind:

  • Ältere, gesundheits- und verantwortungsbewusste Menschen
  • Junge, für Neuerungen offene, sportliche Menschen mit klaren Zielen

Der Radschellweg Ruhr solle deswegen »sportlich-urban« gestaltet und kommuniziert werden, entschied die kommunale Arbeitsgruppe, die an der Machbarkeitsstudie mitwirkt. Die Planenden sind nun dabei, Gestaltelemente zu entwickeln, die diesen Charakter zum Ausdruck bringen.
Charts Bremer (2 MB)

Uwe Redecker aus Kiel – Bürgermeister Todeskino wurde wegen des Orkans in Kiel gebraucht – stellte die lange Entwicklung der Gesprächskultur in Sachen »Fahrradfahren« und die nachfolgenden Investitionen in Fahrradinfrastruktur dar. Das Fahrradforum in Kiel ist eine Institution, in der sämtliche Fragen und Projekte diskutiert werden. Dessen Empfehlungen gehen in die Ratsversammlung. Die Eröffnung des ersten Kilometers Radschnellweg erfolgte am 25.10.2013. Dieser Radschnellweg verbindet die Universität mit dem Haltepunkt Hassee Citti-Park. Auf einer aufgelassenen Bahntrasse können 4 Meter und mehr im Querschnitt angeboten werden. Der Radschnellweg ist beleuchtet.
Charts Redecker (29 MB)

Durch die Beiträge der Referent(inn)en wurde sehr deutlich, dass neben der Infrastrukturplanung die Kommunikation einen hohen Stellenwert einnehme. Diese Kommunikations-Arbeit aber würde, so ein Gesprächsteilnehmer selbstkritisch, nicht so intensiv und nicht so professionell gehandhabt, wie die Planung selbst.

Eine zweite wichtige Erkenntnis sei, dass die Herzen der Menschen berührt werden müssten. Dies gelänge Planer(innen) weniger gut, da sie sich hauptsächlich auf sachliche Argumente verließen. Dass diese sachliche Ebene zwar notwendig sei, eine Kommunikation auf dieser Ebene aber kaum wirksam ist, haben die Kommunikationsfachleute wirkungsvoll dargelegt.

Des Weiteren wurde wieder einmal deutlich (vergl. Dokumentation zum ersten bundesweiten AK), dass in der Entwicklung des Radverkehrs zwischen den Städten eine Zeitspanne von 3 Jahrzehnten klafft. Die Best-Practice-Fälle zeigen auf, dass in diesen Städten bereits seit 2 bis 3 Jahrzehnten intensive Arbeit geleistet worden ist. Insofern sollten sich Menschen nicht entmutigen lassen, die als Radverkehrsplaner(innen) in Städten arbeiten, die erst langsam das Potenzial des Radverkehrs entdeckten.